Komodowarane können kurzzeitig etwa 20 km/h erreichen, also schnell genug, um eine unvorbereitete Person einzuholen, aber nicht schneller als ein gesunder Erwachsener beim Sprint mit voller Kraft. Das Problem ist nicht ihre Höchstgeschwindigkeit, sondern ihre Beschleunigung und ihr Hinterhaltverhalten. Warane sind niedrig am Boden, verschmelzen mit trockenem Gestrüpp und vulkanischer Erde und liegen oft regungslos neben Pfaden. Ein erschrockener Mensch braucht meist einen Moment zum Reagieren, und in diesem Moment kann ein Waran mehrere Meter aufholen.
Die Parkranger auf Komodo und Rinca begegnen diesem Risiko, indem sie Gruppen zusammenhalten, den Sichtkontakt zu den Waranen halten und Besucher umleiten, bevor sich ein Tier zu sehr nähert. Wenn du den Anweisungen der Ranger folgst und in deiner Gruppe bleibst, wird die Frage, ob du einem Waran davonlaufen kannst, unwichtig, weil du gar nicht erst in eine Lage kommst, in der du es müsstest. Die Angabe von 20 km/h gilt für kurze Strecken auf ebenem Gelände; Warane ermüden schnell und sind nicht für lange Verfolgungsjagden gebaut.
Praktisch heißt das: Lauf nicht allein voraus, verlasse die markierten Wege nicht für Fotos und geh nicht davon aus, dass du einem Waran entkommen kannst, wenn du ihn provozierst. Das Vorgehen der Ranger, bei dem sie mit hölzernen Gabelstäben Tiere lenken und Platz schaffen, funktioniert, weil Warane sich meist zurückziehen, wenn ihnen ein freier Fluchtweg bleibt. Dein bester Schutz ist Aufmerksamkeit, nicht Sprintschuhe.

